Der Stromsee oder woher kommt meine Energie?
Mehr als 1000 Deutsche wechseln täglich den Stromanbieter. Ein Wechselgrund für viele Verbraucher ist neben dem Preis die Herkunft ihres Stroms: gerade bei Ökostrom denken viele, dass sie nun nichts mehr mit Kohle oder Atom am Hut haben. Woher kommt der Strom? Aus der Dose! Alter Witz, der Strom kommt natürlich aus einem Kraftwerk. Aber aus welchem denn?
Unser Strom wird über ein Netz verteilt und der Gag bei einem Netz ist ja, dass jeder Punkt mit jedem anderen verbunden ist (wenn auch über Zwischenstationen). In dieses Netz speisen auf der einen Seite die Kraftwerke ihre produzierte Energie ein. Dazu gehören sowohl “klassische” Produzenten wie Kohle oder Atomkraftwerke, aber auch erneuerbare Energien wie Wind oder Solar. Die Abnehmer hängen wiederrum am Netz und ziehen beim Verbrauch Strom ab.
Das ganze Modell wird auch Stromsee genannt. Die Produzenten kippen quasi Energie in den See hinein und die Verbraucher schöpfen sie heraus. Anhand des Sees kann man nun auch das Beispiel vom Anfang wieder aufgreifen: welches “Energiewasser” bekomme ich denn nun? Genau, man kann es nicht mehr sagen, es ist alles gemischt.
Den Anteil, den jeder Energieproduzent zum See beisteuert, kann man im Strommix sehen. Der Strommix in Deutschland etwa besteht derzeit zu 50% aus Kohle, 25% aus Atom und 11% aus erneuerbaren Energieträgern.
Was passiert denn nun, wenn ich meinen Stromanbieter wechsle?
Physikalisch erstmal wenig, denn ich bekomme keine neue Leitung oder neuen Zähler. Auch der Strom aus der Steckdose ist der gleiche wie vorher. Was sich ändert, ist mein Vertragspartner. Er bekommt Geld von mir, um für mich Energie in den See zu kippen. Hat er viele Kunden, kann er mehr Strom erzeugen. Wechseln also viele Leute zu Strom aus erneuerbarer Energie, bekommen die Ökostromanbieter mehr Geld und können damit ihre Anlagen finanzieren oder ausbauen. Über meine Anbieterwahl kann ich also indirekt den Strommix beeinflussen.







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